KI-Transformation und Unternehmensethik
Einleitung
Da neue Technologien wie die künstliche Intelligenz (KI) die Geschäftswelt rasant verändern, stehen Führungskräfte vor grossen ethischen Herausforderungen. Die Balance zwischen Effizienzgewinnen einerseits und die Auswirkungen auf die Mitarbeitenden andererseits zu finden ist nicht mehr optional, sondern sie ist eine Voraussetzung für nachhaltigen Unternehmenserfolg.
Diese Artikelreihe versucht die Herausforderungen dieser Transformation zu beleuchten und bietet Überlegungen und mögliche Lösungen um die ethische Komponente in diese Projekte zu integrieren. Im ersten Beitrag stehen interne organisatorische Herausforderungen im Vordergrund; zukünftige Artikel werden externe gesellschaftliche und ethische Aspekte behandeln.
Effizienz vs. Verdrängung
Die Folgen für die Mitarbeitenden
Viele Unternehmen setzen KI ein, um die Produktivität zu steigern und somit auch weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben. Routinetätigkeiten werden automatisiert, da Daten effizienter und in vielen Fällen genauer analysiert werden können. Im Bereich der Buchhaltung beispielsweise können KI-Systeme Buchungen automatisiert buchen oder Unregelmässigkeiten erkennen; im Kundenservice beantworten Chatbots rund um die Uhr Anfragen der Kunden und können im Bedarfsfall dann mit einem Menschen verbinden, wenn die Frage nicht beantwortet werden kann. Diese Effizienzsteigerung hat jedoch oft einen Preis: die KI ersetzt Arbeitskräfte. Ein KI-gestütztes Buchhaltungstool kann etwa den Bedarf an Junior-Buchhalterinnen, Sachbearbeitern oder Assistentinnen reduzieren; Chatbots ersetzen Callcenter-Mitarbeitende. Zwar entstehen durch KI-Einsatz auch neue Rollen, doch bleibt unklar, wann diese verfügbar sind und ob ein Berufswechsel überhaupt realistisch ist, etwa vom Buchhalter zum Datenanalysten.
Führungskräfte müssen sich dieser ethischen Fragestellung stellen: Welche Verantwortung tragen Organisationen gegenüber Mitarbeitenden, deren Stellen durch KI wegfallen? Grossflächige Verdrängung kann wirtschaftliche und nachgelagert gesellschaftliche Spannungen auslösen. Die Automatisierung von Backoffice-Prozessen beeinträchtigt direkt die Arbeitsplatzsicherheit der betroffenen Mitarbeitenden und macht Umschulungen notwendig. Dies ist heute kein hypothetisches Szenario mehr: dies spielt sich bereits in Bereichen von der Produktion bis hin zu Dienstleistungsberufen, Medizin, Forschung ab. Ethisch gesehen wirft die Verdrängung durch KI Fragen der Fairness sowie der unternehmerischen Verantwortung auf.
Die Folgen für die Mitarbeitenden gehen weit über finanzielle Aspekte hinaus. Plötzliche Arbeitslosigkeit oder grössere Rollenveränderungen können sich stark auf die psychische Gesundheit, sowie die Selbstsicherheit auswirken und Existenzängste auslösen. Führungskräfte müssen diese Auswirkungen ebenso berücksichtigen, wie die Effizienzsteigerungen durch die KI oder Digitalisierung. In sozialen Gemeinschaften (Teams oder Abteilungen innerhalb einer Unternehmung), in denen sich Identitäten stark über die Rollen definieren, kann plötzlich die Dynamik ins negative Kippen und entsprechend negative Folgen für die Unternehmung haben. Ethische Führung antizipiert diese Effekte und mildert sie ab. Erfolg darf nicht nur an Effizienz gemessen werden, sondern daran, ob dieser im Einklang mit den Unternehmenswerten und dem Wohlbefinden der Mitarbeitenden erreicht werden kann.
Reflexion: Bereiten wir unsere Mitarbeitenden ausreichend auf die unvermeidlichen Veränderungen durch KI und fortschreitenden Digitalisierung vor? Welche Verantwortungen haben wir gegenüber unseren Mitarbeitenden?
Empfohlene Massnahmen:
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Programme zur Umschulung, Weiterbildung und höheren Qualifizierungen einführen, um betroffene Mitarbeitende in neue Rollen zu überführen.
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Unterstützungsangebote bereitstellen (z. B. Beratung, Karriere-Coaching), idealerweise vor oder zu Beginn der KI-Projekte.
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KI-Strategien offen und transparent mit Mitarbeitenden kommunizieren und Möglichkeiten zur proaktiven Rollenentwicklung schaffen.
Interne Ungleichheiten:
Die Kluft bei der KI-Nutzung
Auch wenn KI grosse Vorteile verspricht, werden diese, ebenso wie die Nachteile, oft ungleich innerhalb von Organisationen verteilt. Bestimmte Abteilungen schreiten rasch voran, während andere Abteilungen mangels verfügbarer Tools oder Fachkompetenzen zurückbleiben. Es entsteht eine interne Kluft: “Power-User”, die rasch neue Möglichkeiten erkennen und sich weiterentwickeln können, stehen denjenigen gegenüber, die an traditionellen Arbeitsweisen festhalten und sich womöglich abgehängt fühlen. Dies kann Frustration, zunehmende Kompetenzunterschiede und eine sinkende Mitarbeiterbindung zur Folge haben.
Eine aktuelle Umfrage zeigt deutliche Unterschiede: Nahezu 80 % der engagierten „KI-Superuser“ suchten aktiv nach einer neuen Stelle, wo KI einen hohen Stellenwert zur Geschäftsstrategie gehört, während etwa 65 % der weniger engagierten Angestellten vorhaben, im Unternehmen zu bleiben. Dies legt den Verdacht nahe, dass leistungsstarke Mitarbeitende, die KI einsetzen, in langsamer reagierenden Organisationen unzufrieden sind und als Konsequenz abwandern könnten.
Für Führungskräfte ist diese Entwicklung kritisch. Innovationsfreudige und früh adaptierende Mitarbeitende, zentrale Treiber des künftigen Wachstums, könnten sich entkoppeln, resignieren oder kündigen, wenn Unternehmen KI nicht konsequent einführen oder keine Perspektiven für neue KI-Rollen aufzeigen. Gleichzeitig empfinden Angestellte in weniger anpassungsfähigen Abteilungen Unsicherheit oder gar Erleichterung durch den fehlenden Change, je nach Ausgangslage. Viele erleben eine Begeisterung über neue Entwicklungsmöglichkeiten und gleichzeitig Angst vor der eigenen Überflüssigkeit. Diese emotionale Ambivalenz kann Spannungen im Team verstärken.
Diese unterschiedlichen Einführungsgeschwindigkeiten der KI sind nicht nur technische, sondern auch kulturelle und ethische Herausforderungen. Führungskräfte müssen eine Unternehmenskultur schaffen, die kontinuierliches Lernen, Inklusion und eine breite KI-Kompetenz fördert; nicht nur bei technikaffinen Teams.
Reflexion: Fördern wir eine inklusive Lernkultur rund um KI? Wie stellen wir sicher, dass alle Teams gleichermassen vom technologischen Fortschritt profitieren?
Empfohlene Massnahmen:
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Weiterbildungen und Mentoring zur Steigerung der KI-Kompetenz für alle Teams anbieten.
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Austausch und Zusammenarbeit zwischen fortgeschrittenen und eher zurückliegenden Teams oder Abteilungen fördern, damit ein Wissentransfer stattfinden kann.
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Entscheidungen zur KI-Einführung transparent und frühzeitig kommunizieren und die Beweggründe offenlegen.
Die Bewältigung dieser Herausforderungen durch neue Technologien erfordert vorausschauende Führung und gezielte Massnahmen. Führungskräfte müssen betriebliche Effizienz mit ethischer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden in Einklang bringen. Durch kontinuierliche Lernprozesse, offene Kommunikation und einer sorgfältig geplanten Integration von KI gefördert können Organisationen allfällige Ungleichgewichte abbauen und sich für die Zukunft nachhaltig aufstellen. Solche Prozesse stärken nicht nur die Anpassungsfähigkeit der Belegschaft, sondern auch den Zusammenhalt und die Unternehmenskultur in einem immer mehr durch KI geprägten Umfeld.
Wie mit Transformationsprozessen umgegangen wird offenbart, ob Werte und Verantwortung im Unternehmen verankert sind oder nur auf Papier deklariert werden.